Welche Leistungen werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen?

Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist es, die Regelversorgung und damit das medizinische Notwendige zu garantieren. Dabei prüft die gesetzliche Krankenversicherung die Leistungspflicht nach strengen Regeln, indem zuerst die Einordnung in einer der kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) durch den Kieferorthopäden vorgenommen wird. 

Besonders zu berücksichtigen ist, dass einzig bei Kindern, die in die kieferorthopädischen Indikationsgruppen 3-5 (ausgeprägte bis extrem stark ausgeprägte Zahnfehlstellungen) eingestuft werden, mit einer Kostenübernahme der GKV gerechnet werden kann. 

Hierbei ist zudem zu beachten, dass die Behandlung vor dem 18. Geburtstag begonnen haben muss. Bitte informieren Sie sich bei Ihrer eigenen gesetzlichen Krankenversicherung, welche Eigenleistungen von Ihnen getragen werden müssen.

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht, was die gesetzliche Krankenkasse in den einzelnen Bereichen erstattet und was nicht.

Kieferorthopädie

Zahnspangen – für Kinder und Jugendliche

Der größte und wichtigste Bereich, in dem hohe Eigenanteile für Eltern entstehen können.

Die Einstufung eines Behandlungsbedarfs wird über die Einstufung in Kieferorthopädische Indikationsgruppe (KIG) geregelt. Die Einstufung erfolgt in fünf Behandlungsgraden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Leistungen für Behandlungen nach KIG 3, 4 und 5 (mittlere bis schwere Zahn- u. Kieferfehlstellungen).  Die Kosten für den Schweregrad KIG 1 und 2 werden von den Kassen nicht übernommen (leichte Zahn- und Kieferfehlstellungen).

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt folgende Leistungen:

  • Basis- bzw. Regelversorgung bei Einstufungen nach KIG 3, 4, 5
  • Herausnehmbare Zahnspange aus Kunststoff
  • Festsitzenden Spangen mit Edelstahl-Brackets
  • Erstattung bis zum Ende des 17. Lebensjahres

Sie müssen 20 % der Zahnarztrechnung erst einmal selbst bezahlen. Diesen Eigenanteil erhalten Sie von der gesetzlichen Krankenkasse erst nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung zurück. Bedenken Sie hierbei: eine kieferorthopädische Maßnahme ist in der Regel keine kurzfristige Angelegenheit.

Keine Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung:

  • Bei Einstufungen nach KIG 1 und 2
  • Bei kieferorthopädischen Mehrleistungen

Dies sind Beispiele für kieferorthopädische Mehrleistungen:

  • Farblose Bögen oder Brackets aus Keramik oder Kunststoff
  • Invisalign-Schienen zur Zahnkorrektur ohne Brackets
  • Innenliegende Zahnspangen bzw. Incognito-Zahnspangen
  • Speed Brackets, Mini-Brackets, zahnfarbende Brackets, selbstligierende Brackets
  • Elastische Speziallegierungen bei den Bögen (Titan statt Stahl)
  • Hochelastische Drähte – welche sanfter und effektiver bei einer festen Zahnspange wirken
  • Schutzlack bei festen Zahnspangen, der die Zähne vor Karies schützt
  • Um Karies bei festsitzenden Spangen vorzubeugen häufigere professionelle Zahnreinigungen

Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung

Untersuchungsprogramm für Kleinkinder

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt folgende Leistungen:

  • Höchstens 3 Untersuchungen im Mindestabstand von 12 Monaten
  • Erstattung der Leistung zwischen 2,5 Jahren (30. Lebensmonat)  und 6 Jahren (72. Lebensmonat)

Individualprophylaxe

Vorsorge- und Zahnreinigungsprogramm für Kinder und Jugendliche.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt folgende Leistungen:

IP1: Erstellung des Mundhygienestatus 1 x im Kalenderjahr
IP2: Aufklärungsgespräch zur Mundgesundheit 1 x im Kalenderjahr
IP4: Fluodierung der Zähne
IP5:

  • Versiegelung von kariesfreien Fissuren der bleibenden Backenzähnen
  • Erstattung der Individualprophylaxe zwischen 6. und 17. Lebensjahr

Die GKV übernimmt Leistungen nicht:

Es gibt Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, die aus medizinischer Sicht sehr sinnvoll sein können. So sind zum Beispiel Präventionsmaßnahmen:

  • während des Zahnwechsels
  • bei schlechter Mundhygiene
  • bei schädlichen Essgewohnheiten

sehr wichtig. Kontrollen, die nur jährlich stattfinden, sind in diesen Fällen keinesfalls ausreichend.

Auch können

  • Fertigung und Anwendung einer Schiene als Fluoridträger oder
  • Versiegelung weiterer Zähne wie Schneide- oder Eckzähne oder
  • Auftragen von antibakteriellen Wirkstoffen auf das Zahnfleisch

während der individuellen Behandlung Ihres Kindes wichtig sein.

Füllungen

Ein Kinderzahn, der mit Karies befallenen ist,  sollte schnellstmöglich behandelt werden. Dabei wird Karies entfernt und anschließend der Zahn mit einer Füllung geschlossen.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt folgende Leistungen:

  • Im Frontzahnbereich (Schneide- und Eckzähne) zahnfarbene Kunststofffüllungen
  • Im Seitenzahnbereich silberfarbene Amalgamfüllung.

Zahnamalgam darf nicht mehr für die Behandlungen von Milchzähnen und von Kindern unter 15 Jahren verwendet werden. Hier kommen in der Regel Kunststoff oder Glasionomerzement zum Einsatz.

Keine Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung:

  • Kompositfüllungen im Frontzahnbereich, die besondere ästhetische Ansprüche genügen sollen – etwa durch eine Farboptimierung – sind mit Mehrkosten verbunden, die die Patienten selber tragen müssen.

Kinderkronen

Kindern können durch Unfälle oder Karies so große Zahnlücken bekommen, dass eine Füllung nicht mehr ausreichend ist und Kronen notwendig werden. Kinderkronen sind speziell hergestellte silberne Stahlkronen (für die Seitenzähne) oder weiße Keramikkronen (für die Frontzähne), die individuell angepasst werden müssen.

Folgende Leistungen übernimmt die GKV:

  • Gleiche Erstattungsregelung wie bei Erwachsenen, erstattet wird die reine Regelversorgung mit einem Festzuschuss in Höhe von 50%.

Die GKV zahlt nicht:

Kronen für Milchfrontzähne zählen zu den anspruchsvollen Behandlungstechniken eines Zahnarztes. Diese Art der Behandlung ist am wachen Kind oft gar nicht durchführbar. Es stellt sich die Frage nach einer Vollnarkose. Eltern müssen dabei dringend das Risiko-Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Narkosebehandlung berücksichtigen. Eine Narkose-Leistung wird nicht übernommen.

Auch werden moderne Behandlungsmethode oder hochwertigere Materialien nicht übernommen.